Transportsystem KV

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Was ist Kombinierter Verkehr (KV)?

 

Der Kombinierte Verkehr, oder auch kurz KV, gilt als „Königsdiziplin“ des Güterverkehrssektors. Er umfasst mehrgliedrige Transportketten, bei denen ein Wechsel der Ladeeinheiten zwischen mindestens zwei verschiedenen Verkehrsträgern (Straße, Schiene, Binnenwasserstraße oder See) stattfindet, ohne das in der Ladeeinheit befindliche Gut selbst umzuschlagen.

Der KV wurde durch die UN/ECE im Jahr 2001 wie folgt beschrieben:

Der KV ist „Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.“1 In der Praxis wird für den KV die Bezeichnung „Intermodaler Verkehr“ häufig synonym verwendet.

Der Intermodale Verkehr beschreibt den "Transport von Gütern in ein und derselben Ladeeinheit oder demselben Straßenfahrzeug mit zwei oder mehreren Verkehrsträgern, wobei ein Wechsel der Ladeeinheit, aber kein Umschlag der transportierten Güter selbst erfolgt."1 In weiterer Folge, beschreibt der Begriff "Intermodalität" ein Transportsystem, mit dessen Hilfe zwei oder mehrere Verkehrsträger verwendet werden, um dieselbe Ladeeinheit oder dasselbe Straßenfahrzeug in einer integrierten Art und Weise, ohne Be- oder Entladung, zu einer Haus-zu-Haus Transportkette zu vervollständigen.

Für den KV gibt es zahlreiche weitere Definitionen. In allen Definitionen übereinstimmende Merkmale, die als konstitutiv für den KV betrachtet werden können, sind:

Merkmale des KV

  • Intermodale Transportkette
  • Standardisierte Ladeeinheit (Container, Wechselbrücke, Sattelauflieger, kompletter Lkw)
  • Wechsel der Sendung zwischen verschiedenen Verkehrsträgern (Straße, Schiene, Binnenwasserstraße oder See)
  • Systematische Erleichterung des Wechsels zwischen den Verkehrsträgern

Elemente des KV

  • Bündelung von Volumina im Hauptlauf per Massentransportmittel (Bahn, Binnen- oder Seeschiff) über längere Distanzen
  • Vor- und Nachlauf per Lkw über kurze Distanzen
  • Standardisierte Ladeeinheit bleibt unverändert
  • Umschlagterminals als Schnittstellen zwischen Straße und Schiene / Wasserstraße

 

Transportabschnitte im KV

 

Kombinierte Transportketten setzen sich üblicherweise aus einem Vor-, Haupt- und Nachlauf zusammen. Charakteristisch bildet der Hauptlauf den längsten Transportabschnitt, welcher mit Eisenbahn oder Binnenschiff zurückgelegt wird. Der Vor- und Nachlauf im Kombinierten Verkehr wird mit dem Lkw durchgeführt und ist laut StVO 2013 § 30 entsprechend der Entfernung zum/ vom nächstgelegenen geeigneten Terminal und nach der Modalität des Terminals definiert:

  • von/ zu Schiene-Straße-Terminal: max. 200 km Entfernung
  • von/ zu Wasserstraße-Straße-Terminal: Umkreis von max. 150 km Entfernung (Luftlinie)

Eine oder mehrere standardisierte Ladeeinheiten werden an der Quelle (Verlader) mit Transportgütern beladen. Anschließend erfolgt der Transport der Ladeeinheit durch einen Spediteur oder Frachtführer mit dem Lkw zu einem Umschlagplatz / -bahnhof (Quellterminal). Der Vorlauf ist am Terminal abgeschlossen.

Im Quellterminal findet der Umschlag aller angelieferten Ladeeinheiten statt. Im Rahmen eines Transportauftrags werden die jeweiligen Ladeeinheiten auf einen Hauptlaufverkehrsträger bzw. ein Massentransportmittel, Bahn oder Binnenschiff, verladen. Danach wird mit dem entsprechenden Verkehrsträger der Hauptlauf, also die längste Transportstrecke, bis zu einem Zielterminal durchgeführt. Im Zielterminal findet abermals ein Umschlag der Ladeeinheiten statt.

Die Ladeeinheiten werden anschließend mit dem Lkw im Nachlauf regional bis zur Zieldestination (Empfänger) transportiert. Dort findet die Entladung der standardisierten Ladeeinheit statt. Die Güter verbleiben von der Quelle bis zum Ziel in derselben Ladeeinheit.


 

Vorteile von KV

 

Der Kombinierte Verkehr unterliegt einigen Vorurteilen hinsichtlich seiner Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit. Eine Faustregel besagt, dass sich der KV nur ab Distanzen von 500 km rechnen würde und zusätzlich nur für wenige Güter und Waren geeignet ist. Insbesondere hochwertige und empfindliche Güter wären für den KV ungeeignet, so die gängigen Thesen. Unbestritten liegen die Vorteile des Kombinierten Verkehrs im Bereich des Fernverkehrs. Jedoch kann sich der KV auch bereits bei geringeren Distanzen lohnen. Kostenvorteile sind damit stets im Einzelfall zu prüfen. Relevante Faktoren für die Erstellung eines geeigneten Transportangebots bilden die zu transportierenden Mengen, Distanz, Anbindung und Häufigkeit des Transports. Zusätzlich gilt es „weiche“ Kriterien, wie Qualität, Umwelt und Sicherheit, zu berücksichtigen und die Unternehmen entsprechend zu informieren. Daraus kann sich eine Verbesserung des Image von Unternehmen, z.B. durch den Slogan „Wir fahren umweltbewusst“, ergeben. Ebenfalls kann das Wissen über Qualität und Sicherheit der einzelnen Transportsysteme bereits ein Umdenken bzw. eine andere Transportentscheidung hervorrufen.

Generell bietet der Kombinierte Verkehr zahlreiche Vorteile aus betriebs- und volkswirtschaftlicher Sicht.                                                                               

BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE VORTEILE                        

44-t- Regelung

Fahrzeuge im Vor- oder Nachlauf zu oder vom nächstgelegenen geeigneten Terminal innerhalb von 150 km Luftlinie dürfen ein Gesamtgewicht von 44t haben (im Gegensatz zu Fahrzeugen im reinen Straßengüterverkehr mit einem zulässigem Maximalgewicht von 40t). Der Transport größerer Mengen führt hier zu Einsparungen von Lkw-Fahrten.

Gesetzestext zur 44-t-Regelung: Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) § 34 Achslast und Gesamtgewicht

Befreiung von Kfz-Steuer

Für Fahrzeuge im Vor- und Nachlauf des KV wird keine Kfz-Steuer fällig, sofern die Fahrten innerhalb von 150km Luftlinie von bzw. zum Terminal stattfinden.

Gesetzestexten zur Befreiung der Kfz-Steuer: Kraftfahrzeugsteuergesetz § 3 Ausnahmen von der Besteuerung sowie Kraftfahrzeugsteuergesetz § 4 Erstattung der Steuer bei Beförderungen von Fahrzeugen mit der Eisenbahn

Geringe Mautkosten

Straßennutzungsgebühren (Maut) für die gefahrenen Kilometer per Lkw lassen sich reduzieren bzw. gar vermeiden durch die Nutzung des KV. Mautgebühren fallen lediglich für Strecken auf Autobahnen und einigen Bundesstraßen im Vor- und Nachlauf an.

Ausnahmen bei Fahrverboten

Fahrzeuge im Vor- oder Nachlauf des KV sind von Fahrverboten an Sonn- und Feiertagen ausgenommen. Die mit dem LKW zurückgelegte Strecke darf allerdings vom Bahnhof bis zum Empfänger/ Versender 200 km bzw. vom Hafenterminal bis zum Empfänger/ Versender 150 km nicht überschreiten.

Gesetzestext zur Ausnahmen bei Fahrverboten: Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) § 30 Umweltschutz, Sonn- und Feiertagsfahrverbot sowie Verordnung zur Erleichterung des Ferienreiseverkehrs auf der Straße (Ferienreiseverordnung) § 3

Zuverlässige Laufzeiten

Schienen- und Schiffsverkehre im KV finden zumeist im Liniendienst statt, wodurch Planbarkeit und eine optimale Auftragsabwicklung gewährleistet werden können. Jeder nichtgefahrene Lkw-Kilometer führt zu einer Einsparung oder zu einem Wegfall von Ruhezeiten der Fahrer. Folgen sind freie Personalkapazitäten, reduzierte Kosten für Instandhaltung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch kurze Vor- und Nachlauftransporte anstatt Fernverkehre.

VOLKSWIRTSCHAFTLICHE VORTEILE                                   

Ökonomische Nutzung der Verkehrsträger

Der KV führt die Stärken der einzelnen Verkehrsträger zusammen: regionale Punkt-zu-Punkt Belieferung per Lkw, Bündelung von großen Volumina über lange Distanzen per Massentransportmittel, wie Bahn, Binnenschiff oder Seeschiff.

 

Entlastung der Straßen

Durch die Nutzung des KV werden Lkw-Verkehre auf der Straße eingespart. Die negative Wahrnehmung von Lkw im Fernverkehr durch die Bevölkerung wird vermindert (leerere Autobahnen und Bundesstraßen, weniger Staus, weniger Schadstoffausstoß, etc.).

Hohe Transportsicherheit

Durch permanente Transportüberwachung und zentrale Betriebssteuerung bei spurgeführten Verkehrswegen (Schiene) sowie bei Transporten per Binnenschiff entsteht eine hohe Transportsicherheit, insbesondere bei Gefahrguttransporten.

Reduktion von Treibhausgasen

Die Zusammenfassung von Ladungen auf Massentransportmittel und Einsparung von Lkw-Transporten hat positive Auswirkungen auf die CO2-Bilanz je Ladeeinheit. Insbesondere die Verkehrsträger Schiene und Binnenschiff gelten als umweltfreundlich. Im Zuge der Klimaschutzziele der Bundesregierung wird eine zunehmende Verlagerung von der Straße auf die Schiene oder das Binnenwasserstraße angestrebt (ECOTransIT, TREMOD).

 

Kostenvorteile durch Massentransportmittel

Durch Zusammenfassung von Ladungen auf Massentransportmitteln entstehen Kostenvorteile je transportierte Tonne.

Arbeitszeitoptimierung

Die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden durch den Einsatz von Lkw-Fahrpersonal ausschließlich im Nah- und Regionalbereich im Vor- und Nachlauf des KV vereinfacht und unterstützt. Darüber hinaus kann im begleiteten KV auf der Rollenden Landstraße die verbrachte Zeit des Lkw-Fahrpersonals als Ruhezeit angerechnet werden.


 

Einordnung von Transportketten

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1 UN/ECE (2001), Terminologie des KV, Mitteilung der europäischen Kommission COM(97)243
2 vgl. Posset et al. (2014), Intermodaler Verkehr Europa